
Geothermietagung Schleswig-Holstein in Flintbek
In Kooperation mit dem Geologischen Dienst im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR) hat die Landesinnung des Brunnenbauerhandwerks Schleswig-Holstein am 29. Mai die Geothermietagung Schleswig-Holstein 2018 durchgeführt.
Der hohe Stellenwert der Erdwärme zeigt sich an der steigenden Anzahl von Geothermieanlagen mit erdgekoppelten Wärmepumpen. Derzeit sind deutschlandweit laut Bundesverband Geothermie e.V. bereits rund 350.000 oberflächennahe Geothermieanlagen in Betrieb, mit steigender Tendenz (Neuinstallationen 2016: 20.700 Anlagen). In Schleswig-Holstein gibt es zurzeit etwa 8.000 Geothermiebohrungen im öffentlichen und privaten Bereich.
Die Fachtagung, die mit mehr als 60 Teilnehmern gut besucht war, knüpft an die bisherigen Veranstaltungen an und bietet Brunnenbauunternehmen, Umweltverwaltung und Planungsbüros ein breites Forum. Im Fokus standen die Herausforderungen bei der Nutzung der oberflächennahen Erdwärme auch im Hinblick auf den Grundwasserschutz.
Nach der Begrüßung und Eröffnung durch Dipl.-Geol. Sabine Rosenbaum (LLUR) und Brunnenbauermeister
Dirk Mengel
(Landesinnung SH) startete Dipl.-Geol. Matthias Niehoff (LLUR)
die Vortragsreihe mit seinem Referat „Baubegleitende Kontrollmöglichkeiten bei der Errichtung von Erdwärmesonden“. Demnach hätte sich die Qualität der Bauausführungen bei den fachlich begleitenden Erdwärmebohrungen deutlich verbessert, das Instrument sei aber nicht flächendeckend vonnöten.
Als Fazit aus dem Vortrag „Druckwächter und ihre Funktion bei Solewassermaschinen“ von Bodo Zehnder (NIBE Systemtechnik) und der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es im Hinblick auf den Grundwasserschutz keines Druckwächters bedürfe, der Pressostat sei ausreichend.
Im Anschluss stellte Ulrich Santherr (Santherr Geothermietechnik) die Methode „Automatische Ringraumverfüllung von Erdwärmesonden mit nachträglicher Kontrollmöglichkeit“ theoretisch und praktisch vor. Das Verfahren eigne sich insbesondere in sensiblen Bereichen, sei aber in Schleswig-Holstein in flächenhafter Anwendung nicht so zweckdienlich.
Spotlight aus dem Vortrag von Andreas Stumm (Zert Bau) zum „Prüfungsumfang einer W120-Zertifizierung im Vergleich zur wasserrechtlichen Erlaubnis durch die Wasserbehörde“: Zum Teil lägen zwischen den Anordnungen Doppelungen oder Widersprüche vor und die ausführenden Unternehmen sollten sich jeden Erlaubnisbescheid genau ansehen.
Dipl.-Geol. Claudia Thomsen (LLUR) referierte über „Wärmeleitfähigkeiten und Temperaturen im oberflächennahen Untergrund von Schleswig-Holstein“. Die Wärmeleitfähigkeiten für die Sedimentstypen als Grundlage für die Anlagenplanung/-dimensionierung konnten festgelegt werden; die Planungskarten liegen für zwei Tiefenbereiche vor und können im Umweltatlas abgerufen werden.
Abschließend berichtete Thomas Borkowski (Firma Wiese) über die Lage auf dem Markt und plädierte dafür, das Brunnenbauhandwerk ins Gesamtkonstrukt des Bauens besser einzubinden und die Geothermie früher in die Planungsphase des Bauwerks einzubeziehen.
„Erdwärmegewinnungsanlagen, Auftragsbearbeitung und Gewässeraufsicht“: Uta Weinrich, (UWB Stormarn) gab einen Erfahrungsbericht zu den vergangenen zehn Jahren. Seit 2011 haben die Unteren Wasserbehörden Erfahrungen und neue Erkenntnisse in das Erlaubnisverfahren einfließen lassen; diese können auch zum Schutz des Grundwassers verwendet werden.
Aus Sicht alle Beteiligten sei ein weiterer Austausch zwischen allen Beteiligten wie Behörden, Planern und ausführenden Unternehmen weiterhin sehr wichtig, so das Fazit. Geplant ist vorerst ein Austausch in kleineren Gruppen beispielsweise zum „Leitfaden Planungsphasen nach VDI Richtlinien“. Im Anschluss wird die Reihe der Geothermietagung Schleswig-Holstein weitergeführt.
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